SIPOC zielgerichtet einsetzen

Philipp-Akira Bürger – 24.12.2025

Kommt Ihnen die Situation bekannt vor, dass Sie mit einem Manager oder Prozesseigner anfangen über seinen Prozess zu diskutieren und dabei zunächst immer mehr Unklarheiten auftreten und Fragezeichen aufgelöst werden müssen? Wenn Sie diese Frage mit „Ja“ beantwortet haben, kann Ihnen der SIPOC dabei helfen schnell ein einfaches Bild des Prozesses zu entwickeln. Dafür reichen ein paar Post-Its auf der nächsten Wand oder einem Flip-Chart aus, was als gemeinsame Gesprächsgrundlage genutzt werden kann.

Der SIPOC ist ein einfaches, manchmal unterschätztes, aber mächtiges Werkzeug aus dem Prozessmanagement zur Darstellung eines Prozesses aus der Helikopterperspektive. Die Abkürzung steht für Supplier (Lieferant) – Input (Eingabe) – Process (Prozess) – Output (Ausgabe) – Customer (Kunde) und beschreibt in wenigen Schritten den Prozessablauf vom Anfang bis zum Ende.

Das Ziel ist eine kurze Darstellung des Prozessablaufs zur Eingrenzung des Betrachtungsrahmens. Dabei wird bewusst eine sehr hohe Flughöhe mit max. 5-7 Prozessschritten gewählt, da der Betrachtungsrahmen sonst zu groß wird und der Fokus verschwimmt. In der Darstellung werden die Inputs und Outputs der einzelnen Prozessschritte nicht aufgenommen, sondern allein der triggernde Input zum Start und der Output als Ergebnis am Ende des Prozesses.

Da in der Regel nicht die Analyse, sondern das gemeinsame Verständnis im Vordergrund steht, wird der SIPOC häufig zu Beginn von Ver­besserungs­maßnahmen genutzt oder für die Abstimmung mit Stakeholdern über den näher zu betrachtenden Prozessabschnitt. Möchte ich tiefer in den Prozess einsteigen, ist beispielsweise ein Prozess­funktions­diagramm/Swimlane zu empfehlen.

Fallbezogen unterschiedliche Reihenfolge

Die klassische Reihenfolge der Bearbeitung ist SIPOC. Allerdings gibt es verschiedene Gründe, die Reihenfolge des SIPOC zu ändern.

  • SIPOC (klassisch): hilfreich, wenn der Prozess strukturiert vom Lieferanten bis zum Kunden aufgenommen wird.
  • POCSI (prozessorientiert): sinnvoll, wenn alle Beteiligte den Prozess bereits kennen und direkt den Output und die Kundenerwartungen ableiten möchten. Insbesondere ist diese Reihenfolge für Prozessoptimierungen nützlich, wenn es keine Unklarheiten hinsichtlich des Lieferanten gibt.
  • COPIS (kundenorientiert): zu empfehlen, wenn die Kundenanforderungen oder Serviceerlebnisse im Fokus stehen. Dies gilt z. B. für die Reduzierung von Beschwerden.

Jede Reihenfolge verfolgt ein anderes Ziel und lenkt die Aufmerksamkeit entsprechend auf den Lieferanten, den Prozess oder auf den Kunden.

Beispiel: Online-Kauf bei einem Versandhändler

Zum besseren Verständnis wird nachfolgend ein Beispiel dargestellt und die verschiedenen Sichtweisen, die sich durch die veränderte Reihenfolge ergeben, beleuchtet.

In der Abbildung (vgl. Abb.1) ist der Prozess holzschnittartig im SIPOC mit sechs Prozessschritten dargestellt. Dabei ist der Kunde als Käufer im Online-Shop eines Versandhändlers der Supplier und triggert mit seiner Bestellung als Input den Prozess. Der Process wird von der Bestellung bis zur Übergabe des Auftrags an den Paketdienst aufgenommen. Als Output kommt das versandfertige Paket aus dem Prozess. Als Versandhändler schließt meine Betrachtung hier und der Paketdienst ist mein Customer.

Abbildung 1: SIPOC eines Online-Kaufs aus Sicht eines Versandhändlers

  • SIPOC (klassisch): was bekomme ich und was mache ich daraus? Durch den Start mit dem Kunden als Besteller erlange ich ein besseres Prozessverständnis und kann mich mehr auf die Daten- bzw. den Materialfluss fokussieren.
  • POCSI (prozessorientiert): wie gut sind meine Prozesse intern? Diese Reihenfolge hilft mir dabei zu sehen, wo Herausforderungen im Prozess vorliegen, sodass ich an der Optimierung der Prozesse und Effizienzsteigerungen arbeiten kann.
  • COPIS (kundenorientiert): was braucht mein Kunde von mir? Mit dem Start beim Kunden steige ich kundenorientiert ein und richte meinen Prozess an den Anforderungen des Paketdienstes aus, somit ich auch dem ersten Lean-Prinzip nach Womack & Jones folge – bestimme den Wert des Kunden.

Fazit

Die klassische Reihenfolge SIPOC muss nicht dogmatisch verfolgt werden. Das Werkzeug sollte als Werkzeug betrachtet werden und sinnbringend eingesetzt werden. Dafür kann situativ die Reihenfolge gewählt werden, um die gewünschte Perspektive einzunehmen. Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass die Reihenfolge weniger wichtig ist. Die fünf Elemente (Supplier, Input, Process, Output, Customer) müssen klar benannt sein und das Team sollte ein gemeinsames Verständnis erlangen.


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